Interview With Sami Lopakka          In English

Lass uns über euer neues Album “The Cold White Light” reden. Was bedeutet denn der Plattentitel und wieso ist es dieses Mal mehr als ein Wort im Gegensatz zu den vorherigen Alben?

Dieses Album bricht diese Kette. Vielleicht erwarteten einige Leute, dass wir wieder einen Ein-Wort-Titel haben würden, aber wollen die Leute aufrütteln, dass sie merken, dass sie wirklich nichts von dieser Band erwarten sollten. Wir wollen und versuchen auch mit jedem Album etwas neues zu machen. Der Titel an sich handelt vom Konzept des „Lichtes“. Es ist ein Symbol, das viele Leute fasziniert. Es kann ein Symbol für den Tod sein. Es heißt, dass Menschen diese helle Licht im Moment ihres Todes sehen. Es kann aber auch ein Symbol für das Leben sein. Es gibt kein Leben ohne Licht. Und es ist ein Symbol der Hoffnung – das Licht am Ende des Tunnels und so weiter. Das Wichtigste daran war für uns, dass es genug Platz für eigene Meinungen und Interpretationen lässt, und dass es zur Musik und den Texten passt. Es fasst irgendwie auch die verschiedene Songs zusammen und das Licht als kalt und weiß zu bezeichnen passt besser zu uns. Es hat diese nördliche Melancholie und Atmosphäre.

Ich war doch sehr überrascht, dass das Album viel härter als das Letzte ist. Wieso eigentlich?

Ich würde sagen, dass wir auf dem „Crimson“ Album als Band sehr gestresst waren. Wir touren, nehmen auf und proben seit Jahren ohne richtige Pause. Nach der „Crimson“ Tour haben wir uns eine sechs-, siebenmonatige Pause gegönnt. Danach war alles sehr relaxt und die Songs kamen sehr natürlich und leicht aus uns heraus. Wir wollten jeden Song vom anderen so unterschiedlich wie möglich machen. Wir wollten Songs, die mehr rocken und schneller sind als alles, was wir in den letzten Jahren gemacht haben. Aber es gibt auch die mehr melodischen und atmosphärischen Songs. Ich denke, man erkennt den Sentenced Sound und den Sentenced Stil immer noch, aber wir wollten ein paar frische Elemente und etwas Neues verwenden. Gleichzeitig haben wir uns aber entschlossen in eine andere, etwas atmosphärischere Richtung, aber auch in eine härtere Richtung zu gehen.

Im Februar bekam ich eine Tracklist von dem Album, die mit den meisten Titeln jetzt gar nicht übereinstimmt.

(lacht laut) Ja, das war keine offizielle Tracklist damals. Wir hatten 17 oder 18 Songs, als wir ins Studio gingen, und mussten deswegen ein paar Songs wegwerfen, da wir kein 80 Minuten Album veröffentlichen wollten. Das wird langweilig, unabhängig davon, welche Songs da drauf sind. Wenn es zu lange ist, interessiert es keinen mehr. Im Studio haben wir alle Songs bis zu einem bestimmten Punkt fertig geschrieben, und dann mussten wir einige harte Entscheidungen treffen, was fertig gemacht wird und was für spätere Verwendung aufgehoben wird oder direkt weggeworfen wird. Das ist der Grund, warum du einige Liedtitel in der Liste hast, die jetzt nicht auf der Platte sind.

Ihr habt zwei finnische Songtitel auf der Platte. Können wir irgendwann einen Song komplett in finnisch erwarten?

Das denke ich nicht. Wir sind eine englisch singende Band. Wir sehen keinen Grund, das zu ändern. Wegen der zwei Liednamen – der erste, “Konevitsan Kirkonkellot”, ist eine traditionelle finnische Komposition and auch der Titel ist Tradition. Es ist eine neue Version dieser Komposition ohne den alten Sound aber mit diesen massiven Glocken und so. Es bedeutet, „die Kirchglocken von Konevitsa“. Konevitsa ist ein historischer Platz in Finnland. Der andere „Aika Multaa Muistot” funktioniert auf finnisch besser als auf englisch. Es ist so eine Art Wortspiel, dass man ungefähr als „Zeit raubt die Erinnerungen“ übersetzen könnte. Im Finnischen gibt es ein Sprichwort, das dem Titel sehr ähnlich ist. Keine Ahnung, wie es auf englisch heißt, vielleicht „Wenn die Zeit vorübergeht, wirst du die schlechten Dinge vergessen und dich nur an die guten erinnern“. Aber in diesem Lied haben wir das umgedreht. Es heißt jetzt „Wenn die Zeit vorübergeht, wirst du die guten Dinge vergessen und dich nur an die schlechten erinnern“. Um die Frage zu beantworten – nein, wir planen keinen finnischen Song.

Der Untertitel “Everything Is Nothing” ist also nicht die richtige Übersetzung?

Nein, es ist mehr ein Untertitel.

Für mich ist es das beste Sentenced Album überhaupt. Ich mag es wirklich sehr.

Schön das zu hören.

Würdest du zustimmen, dass es das beste Sentenced Album ist oder...?

Wir sind sehr zufrieden damit und denken auch so. Wir haben uns wieder selbst gefunden und den Spaß, Musik zu machen und uns selbst auszudrücken. Es ist entspannter als irgendein anderes Album, das wir gemacht haben. Das Ergebnis ist genau das, auf was wir abgezielt hatten, als wir ins Studio gingen. Es gibt kein Bedauern über irgendetwas. Es ist genau das rausgekommen, was wir wollten.

Wart ihr irgendwelchem Druck seitens des Labels ausgesetzt oder total frei?

Wir haben immer freie Hand. Wenn sie nur versuchen würden, uns unter Druck zu setzen, würde das nicht funktionieren. Wir würden es ignorieren. Wir müssen immer alle Türen um uns herum abschließen und in die Erschaffung der Songs sind nur die fünf Mitglieder der Band eingebunden und sonst niemand. Wir können nicht an irgendwelche Meinungen anderer oder an Verkaufszahlen denken. Das würde den ganzen Prozess versauen. Wir müssen es einfach so rauslassen, wie es kommt und es für uns an erster Stelle perfektionieren. Dann, wenn es erschienen ist, werden wir sehen, was die anderen Leute davon halten.

Die erste Single “No One There” ging auf Platz 2 in Finnland. Wieso habt ihr gerade den letzte und den längsten Song der Platte als Single gewählt?

Das war eine schwere Entscheidung. Es gab viele Songs, die die Single hätten werden können. Aber wir wollten einen Song, der das richtige Bild des Albums als Ganzes wiedergibt. Zum Beispiel, einen Song wie „Neverlasting“ zu nehmen, würde ein brutaleres Bild von dem Album geben. Der Song, „No One There“ - auf der Single ist er nur vier Minuten lang, wir haben es etwas gekürzt – war der Song, auf den wir uns alle einigen konnten. Doch jetzt, wo er draußen ist, merken wir, dass er von der Melodie her einer der schwersten Songs auf dem Album ist. Vielleicht war das ein kleiner Fehler, aber wir sind ohnehin keine Singleband, und da ist uns das letztendlich scheißegal. Wir wollten uns auf das Album konzentrieren und hoffen, dass die Leute es anchecken, ohne sich das Single-Lied zu stark anzusehen.

Ich würde nie erwarten, dass eine Sentenced Single in Deutschland auf zwei geht. Wieso denkst du gibt es diese Unterschiede zwischen Deutschland und Finnland im Musikgeschmack der Leute?

Finnland ist ein ziemlich extremes Land. Es scheint, dass die Leute sehr gerne ihre negativen Gefühle mit einem harten Sound ausdrücken. Du kannst Metal in Finnland als Mainstream bezeichnen. Es gibt hier sehr viele Metalbands, die weit oben in den Charts sind. Scheinbar ist es die Lieblingsbeschäftigung der Finnen, sich diese Art von Musik anzuhören und auch diese Art von Musik zu machen. Es gibt nicht viele Discobands oder so was, die außerhalb von Finnland oder sogar in Finnland Erfolg haben. Vielleicht ist das in Deutschland anders.

Hier ist es genau anders herum. Kommen wir mal zu den Texten. Auf der „Crimson“ hatte ich den Eindruck, dass sie für Sentenced schon fast positiv waren. Sie waren nicht positiv, nur im Vergleich zu den anderen Sentenced Texten. Dieses Mal greift ihr aber wieder auf das Selbstmordthema zurück und reichert das mit viel schwarzem Humor an.

Wir haben viele unterschiedliche Songs und Atmosphären auf dem Album und wollten, dass die Texte es auch sind. Es gibt ja auch Songs, die vom Text her schon fast philosophisch sind und gleichzeitig gibt es die Songs mit dem schwarzen Humor wie “Excuse Me While I Kill Myself” und “The Luxury Of A Grave”. Es gibt aber auch Songs, die ernsthafter und düsterer sind, und auf der andere Seite fast schon fröhliche Songs, wenn man bedenkt, dass wir hier von Sentenced reden (lacht). Aber jeder Song handelt vom menschlichen Leben, nur aus verschiedenen Blickwinkeln. Wir wollten eine große Abwechslung in den Texten haben.

Ihr habt dieses Mal wieder mit Hiili Hiilesma (u.a. „Crimson“ und diverse H.I.M. Platten) gearbeitet. Wie groß war sein Einfluss auf die Platte?

Ich würde sagen, dass sich sein Einfluss nur auf den Klang, den man hört, beschränkt. Es gb nicht viele Sachen die geändert wurden wie Arrangements, Melodien und so was. Hiili ist großartig darin, einen originellen Sound zu erschaffen. Er hat uns auch im Studio in den Arsch getreten, wenn wir unsere Nerven verloren. Und wenn alles perfekt lief, hat er trotzdem darauf geachtet, dass jeder sein bestes gibt. Er würde keine Leichtsinnigkeiten beim Spielen erlauben. Es musste alles sehr tight sein. Ich denke, bei uns wäre es nicht möglich, ohne Produzenten ins Studio zu gehen, denn unsere Nerven halten manchmal nur zwei Sekunden. Wir brauchen eine Art Diktator im Studio, der uns antreibt und darauf achtet, dass alles so gut wie möglich gemacht wird.

So, letzte Frage, werdet ihr eigentlich immer noch mit H.I.M. verglichen?

Nein, nicht mehr besonders. Ich würde dem auch nicht zustimmen. Die Verbindung zwischen unserer und deren Musik ist sehr klein. Wir erschufen diese Art von Sound mit dem „Amok“ Album1995, und mit einer Band verglichen zu werden, die viel jünger ist als wir, ist sehr frustrierend. Aber jeder kann das denken, was er will, uns ist es scheißegal (lacht).

Mit diesen Worten der Unzufriedenheit wollte ich es dann belassen und musste es auch, da mein Arbeitgeber wartete. Und so konnte Sami sich eine Mittagspause genehmigen.

Autor: Jens


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